Billionen Trillionen
@ TechnologieKultur · 2020-05-10 · 4 Minuten Lesezeit · Update am 2020-05-10

Billionen Trillionen und ein paar Zerquetschte…

Was gerade mit der globalen Ökonomie vor sich geht, hat es zu unseren Lebzeiten noch nicht gegeben…
Die Strippenzieher des globalen Finanzsystems werfen im Kielwasser der entstehenden Wirtschafts- und Finanzkrise mit Zahlen um sich, die scheinbar keinen Bezug mehr zur Lebensrealität des Einzelnen haben.
Über die Schwierigkeit, Zahlen mit mehr als einer Handvoll Nullen zu begreifen, sie zu vergleichen und darüber zu sprechen, habe ich in meinem letzten Post geschrieben.

Weil die Weltwirtschaft jedoch am Ende jeden von uns persönlich betrifft, lohnt sich die Mühe, mal genauer hinzusehen. Dann kann man umso informierter am Gespräch über Geld, Währungen, Vermögen, Inflation und das Weltwirtschaftssystem als Ganzes teilnehmen.
Je mehr Perspektiven und Quellen man dabei zur Verfügung hat, desto besser.

Wer deshalb also auch englischsprachige Nachrichten konsumiert, kann bei den großen Zahlen allerdings schnell mal auf den Holzweg geraten.
Als Beispiel habe ich mir einfach willkürlich eine Schlagzeile aus dem Internet geschnappt und sie durch den Übersetzer von Google gejagt:

Screenshot von einer Schlagzeile im Übersetzer von Google

Das Ergebnis, das der Übersetzer ausspuckt, ist in diesem Fall ganz richtig.

Wie kann es aber sein, dass eine Billion gleichzeitig eine Trillion ist?

Es liegt tatsächlich am Referenzrahmen, den die verschiedenen Sprachen bzw. Kulturkreise benutzen. Auch wenn alle Zahlen schon immer denkbar waren, ist der Umgang mit Größenordnungen jenseits der menschlichen Vorstellung erst in moderner Zeit notwendig und sinnvoll geworden. Die Wissenschaften messen zunehmend genauer – im Großen wie im Kleinen – und unsere Informationsgesellschaft sorgt dafür, dass man sich auch darüber austauschen kann. Um derart lange Zahlen zu diskutieren, braucht man aber auf dem Papier und erst recht in der gesprochenen Sprache handliche Namen dafür.
Rund um den Globus haben sich deshalb verschiedene Systeme aus den jeweiligen wissenschaftlichen Traditionen etabliert.
Hier wollen wir uns jedoch nur die beiden Referenzrahmen oder auch Skalen ansehen, die für die westliche Welt relevant sind:

Die lange und die kurze Skala

Der überwiegende Teil Europas benutzt die lange Skala, wohingegen die englischsprachige Welt1 eher die kurze Skala benutzt.

Bei der kurzen Skala werden nun der Reihe nach die Potenzen von 1.000 mit Namen auf -illion bezeichnet:

kurze Skala

1.0000 = Eins
1.0001 = 1.000 (103) = Tausend
1.0002 = 1.000.000 (106) = Million
1.0003 = 1.000.000.000 (109) = Billion
1.0004 = 1.000.000.000.000 (1012) = Trillion

Bei der langen Skala werden hingegen die Potenzen von 1.000.000 mit Namen auf -illion bezeichnet:

lange Skala

1.000.0000 = Eins
1.000.0001 = 1.000.000 (106) = Million
1.000.0002 = 1.000.000.000.000 (1012) = Billion
1.000.0003 = 1.000.000.000.000.000.000 (1018) = Trillion
1.000.0004 = 1.000.000.000.000.000.000.000.000 (1024) = Quadrillion

Die so benannten Größenordnungen liegen bei der langen Skala aber recht weit auseinander und man bräuchte eine Million Billionen, um endlich auf eine Trillion zu kommen…
Aus diesem Grund wurden die Schritte, die nur 3 statt 6 Nullen vom Namen auf -illion entfernt sind, mit den Namen auf -illiarde bezeichnet, die wir im Deutschen kennen. Man benennt also die “halben” Potenzen der Million mit einem eigenen Begriff, um auch die Tausender-Potenz-Schritte in der Sprache einfach ausdrücken zu können. Dadurch wird diese Skala natürlich länger.

Wir müssen also ein wenig achtgeben, wenn wir uns große Zahlen in unterschiedlichen Kontexten ansehen, und vielleicht auch manchmal selbst genauer nachprüfen, womit wir es zu tun haben. Übersetzer und Journalisten sind ja auch nur Menschen, und machen deshalb auch mal Fehler.
Es wäre allerdings schon sehr schade, wenn hier und da mal 6 Nullen unter den Tisch fallen oder plötzlich aus dem Hut gezaubert werden, ohne dass es jemand merkt…

Ich hoffe, dieser kurze Überblick hilft, um Millionen, Billionen und Trillionen samt ihrer “Halbgeschwister” (sprich Milliarden etc.) in Zukunft auseinanderzuhalten.
Wenn wir die Fakten also erstmal im Griff haben, stellt sich die eigentliche Frage:
Wie kann ich mir jetzt eine Billion Piepen überhaupt vorstellen?

Das versuchen wir im nächsten Blog-Post zu beantworten.


  1. Großbritannien hat erst in den 1970er Jahren von der langen zur kurzen Skala nach amerikanischem Vorbild gewechselt ↩︎

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TechnologieKultur - Gegen die Dystopie

Das hier ist mein Passionsprojekt.

Nachdem ich jahrelang Inhalte aus dem Internet konsumiert habe, möchte ich jetzt etwas an die Gesellschaft zurückgeben.

Ich mache mir allerdings Sorgen um diese Gesellschaft, obwohl es hier (im Norden von Deutschland) noch außerordentlich lebenswert ist.
Mir scheint, dass moderne Technologien nicht mehr den Menschen dienen, sondern umgekehrt… und das sollte nicht so sein, weil der Fortschritt soviele faszinierende Möglichkeiten bietet, eine bessere Welt zu gestalten.

Wenn den Leuten das Interesse daran fehlt, die Situation zu verbessern, kann ich natürlich nichts ausrichten.
Wenn aber der Wunsch und der Wille da sind und es nur am Wissen um die Probleme oder dem Verständnis der Zusammenhänge scheitert, will ich Hilfe zur Selbsthilfe leisten.

Ich hoffe aufrichtig, dass auch für Dich etwas Sinnvolles dabei ist.

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